Archiv für den Monat: August 2012

Nix passiert

Diesen Ausdruck in Verbindung mit Tarif kennt wohl inzwischen jeder. Erfunden von einer bekannten Versicherungsfirma, wird er auch von einigen Wettbewerbern derselben als Schadensretter vermarktet. Man hat in Haftpflicht und/oder Kasko pro Jahr einen Schaden frei, erst beim zweiten wird man zurück gestuft. Damit hat der Titel dieses Beitrags jedoch nichts zu tun.

Seit vielen Jahren verschlechtern sich die Bedingungen in den Einrichtungen zur Pflege betagter Menschen. Immer weniger Personal muss für immer mehr Bewohner sorgen. Zwei, höchstens drei Pflegekräfte für dreißig Bewohner in der Spätschicht werden vom Betreiber eines Pflegeheimes in der ältesten Stauferstadt Süddeutschlands für normal gehalten. Zahllose weitere Informationen belegen, dass es im ganzen Land so oder ähnlich aussieht – von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Alle Betroffenen jammern oder schimpfen darüber. Fragt man, was sie dagegen tun wollen, kommt fast immer die Antwort, dass man ja sowieso nichts ändern kann. Eine mutige, engagierte Frau aus Leipzig beweist derzeit das Gegenteil. Sie arbeitet seit Monaten darauf hin, 50.000 Mitzeichner für eine Petition an den Bundestag zu finden. Durch Ihren Auftritt in einer MDR-Sendung kommt jetzt endlich Bewegung in die Sache. Täglich erhöht sich die Zahl derer, die bereit sind, sich für diese längst überfällige Aktion einzusetzen. Bis 15. Januar 2013 soll das Ziel erreicht werden. Wenn es weiter so gut läuft wie in diesen Tagen, dürfte es weniger lange dauern oder es kommen weit mehr Mitzeichner als nötig zusammen. Dann müssen sich die Politiker endlich mit dem brandheißen Thema befassen.

Wer jetzt noch kleinmütig sagt, er könne nichts bewegen, hat keine Ausrede mehr. Alle können etwas tun. Ob sie nun in der Altenpflege arbeiten oder in solch einer Einrichtung wohnen. Andere, die jetzt noch keiner Pflege bedürfen, können nicht wissen, ob oder wann sie in diese Lage kommen werden. Überlegt Euch ernsthaft, ob ihr liebevoll und fürsorglich betreut oder im Minutentakt abgefertigt werden möchtet. Steuert jetzt gegen den falschen Kurs der Politiker. Sonst seid ihr später die Dummen. Will das jemand wirklich? Auch die Jüngeren geht das Thema an. Denn zum Glück kann sich noch niemand die ewige Jugend pachten.

Wenn wir jetzt nichts tun, kommt es wie in der Überschrift formuliert:

NIX PASSIERT

Auch auf lange Sicht wird sich dann nichts ändern.

Die Webseite der Initiatorin Annett Kleischmantat findet ihr auf dieser Seite unter den Links: „Für Menschenwürde“.

Übrigens ist der nächste Schritt in die falsche Richtung schon in Arbeit. Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, sollen die Pflegekräfte in Zukunft auch noch den Zahnstatus der ihnen anvertrauten Heimbewohner untersuchen und dokumentieren. Folge wird sein, dass noch weniger Zeit für persönliche Zuwendung zu den alten Leuten bleibt.

Hatten wir für die Zähne nicht mal Zahnärzte? Ach ja, die sind ja viel teurer als Pflegedienstmitarbeiter.