Archiv für den Monat: September 2010

Umsatzsteigerung(sversuch) nach Panasonic-Art

Wie macht man mehr Umsatz? Indem man Erzeugnisse ausliefert, die nur eine kurze Lebensdauer haben oder an denen schon nach wenigen Jahren etwas zu reparieren ist. Seit Dezember 2006 steht bei mir eine Digitalkamera DMC-FZ50-S im Dienst. Eigentlich ein prima Gerät, wenn man vom Bildrauschen bei höheren ISO-Werten absieht. Mit ihrem manuell bedienbaren Zoomobjektiv hat man sehr schnell auch entfernte Objekte gut im Bild. Klar, dass man gerne damit fotografiert.

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Um nichts zu verpassen, trage ich die Kamera oft griffbereit in der rechten Hand. So auch in unserem Berlin-Urlaub im Juni 2010. An neun Tagen hintereinander hatte wir schönstes Sommerwetter. Da schwitzt man ganz schön, auch an der rechten Hand. Und hier beginnt das Drama. Die große rutschhemmende Gummifläche begann sich zu einer Blase zu wölben. Das irritiert und ist nicht gerade angenehm. Aber die Kamera funktioniert ja noch. Zu Hause dann ein Reparaturversuch – mit allen Tricks vom Heißluftgebläse bis zu verschiedenen Klebstoffen. Es half nichts. Erst das keilförmige Einschneiden des Gummibelags und Befestigen mit tesa-Powerstrips brachte das Material wieder einigermaßen in Form.

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Doch wenige Wochen später begann auch die Daumenauflage „ITEM NO. S02-1-Y300“ sich abzulösen. Also recherchieren, was eine Reparatur kostet. Das Panasonic-Service-Center in Reutlingen hatte nach einer Woche noch immer kein Angebot abgegeben. Offenbar wurde mir von der Panasonic-Zentrale eine falsche eMail-Adresse mitgeteilt, so dass die Anfrage gar nicht in Reutlingen ankam. Das Service-Center Rendsburg war dagegen vorbildlich. Schon nach einem Tag lag das Angebot vor, rund 115 Euro brutto zuzüglich Versandkosten. Da ist natürlich zu überlegen, ob man den Betrag in eine 3 1/2 Jahre alte Kamera investiert.

In der Vorgängerin der FZ50,  einer NIKON CoolPix 5700 (2003 für satte 1.049 € zu haben!) hatte nämlich nach genau 3 1/2 Jahren der Bildsensor den Geist aufgegeben. So fiel die Entscheidung leicht, das Angebot abzulehnen. Auf Umwegen besorgte ich mir nur eine neue Daumenauflage. Laut Explosionszeichnung schien sie sich leicht auswechseln zu lassen. Das nahm ich dieser Tage in Angriff. Auf der Seite der Rastnasen ließ sich das alte Teil leicht ausklinken. Links dagegen blieb ein Stück am Kameragehäuse. Auch mit Hebelkraft ließ es sich nicht entfernen, so dass ich den Seitenschneider zu Hilfe nehmen musste. Schließlich kam etwas glänzendes zum Vorschein.

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Die Explosionszeichnung bestätigte den Verdacht, dass es sich hier um eine Befestigungsschraube handelt! Nur geht das wegen der fehlenden Fluchtlinie nicht deutlich aus der Zeichnung hervor – auch diese ist also fehlerhaft. Hätte ich den Rest der alten Auflage ganz entfernt, wäre die Schraube ins Kameragehäuse gefallen und hätte dort womöglich Schäden der verschiedensten Art angerichtet. Was tun, ohne die Kamera total zu demontieren? Ich habe einfach an der neuen Daumenauflage den für die Schraube gedachten Hohlzylinder entfernt und mit ausreichend UHU den Rest vom alten Teil und das neue festgeklebt. Das ist nicht korrekt, funktioniert aber.

Nun fragt sich der gesunde Menschenverstand, ob der Konstrukteur dieser Kamera wirklich alle Sinne beisammen hatte. Die Antwort muss ganz klar „nein“ lauten. War vielleicht zuviel Sake im Spiel? Nur um ein kleines Verschleißteil zu wechseln, sollte die ganze Kamera demontiert werden! Das ist in etwa das Gleiche, als ob zum Wechseln einer Scheinwerferglühlampe das ganze Auto demontiert werden muss. Für solche Leistungen, die in tiefster geistiger Umnachtung entstanden sein müssen,  kann es einfach nur die „Rote Karte“ geben – und den Eintrag in die Schwarze Liste.