Brauchen

Viele wissen es nicht. Einst wusste ich es auch nicht. Aber immer noch befände ich mich in der illustren Gesellschaft zahlreicher professioneller Journalisten, Radio- und TV-Moderatoren, die es immer noch nicht wissen.

Vor ungefähr 40 Jahren wurde ich von einer „potentiellen ehemaligen Verlobten“ (da ist zum Glück nichts draus geworden) aufgeklärt, wie man manche Wörter in welchem Zusammenhang richtig gebraucht. Diese Aufklärung hat gewirkt. So etwas verlernt man nie mehr.

Es ging um den richtigen Gebrauch des Tätigkeitswortes „brauchen“. Ich hatte mich immer in der Art ausgedrückt: „Ich brauche nicht schreiben / gehen / …“. Das kam auf das Gleiche heraus, als ob ein Engländer sagen würde: „Be or not be, that is the question.“ Wer ein paar Shakespeare-Kenntnisse hat, weiß wie das Zitat richtig lautet.

Gutes Deutsch geht so: „Ich brauche nicht zu schreiben / zu gehen / zu …“. Alles andere klingt nicht gut. Auch wenn es laut Duden kein Fehler ist, das „zu“ wegzulassen. Und wie merkt man sich das dauerhaft? Ganz einfach, mit einem prägnanten Merksatz. Und der lautet:

Wer „brauchen“ gebraucht, ohne „zu“ zu gebrauchen, braucht „brauchen“ überhaupt nicht zu gebrauchen.

Grillzeit

Wenn schon mal auf rund 500 Meter Höhe über dem Meeresspiegel eine Temperatur von 30 °C herrscht, muss das ausgenutzt werden. Vor allem nach gefühlten zehn Jahren kalten und regnerischen Wetters. Der Elektrogrill hatte heute Urlaub und wurde vertreten durch einen mit richtigem Feuer – so dachten wir jedenfalls.

Auf der Verpackung liest sich alles ganz einfach, und nach 20 Minuten hätte das Grillgut bereits anfangen können, zu schmoren. Das mit Paraffin getränkte Papier (Brenneinlage), gut halb so groß wie die ganze Schale, brannte innerhalb von 40 Sekunden ab.

Anleitung

Anleitung

Grillanzünder

Grillanzünder

Nun hätte die Holzkohle nach der Theorie des Herstellers zu brennen anfangen müssen. Das hielt sie jedoch nicht für nötig, so dass wir sie nach und nach mit insgesamt sieben Schöpfkellen flüssigen Grillanzünders dazu nötigen mussten. Zwischendurch probierten wir noch zerkleinerten Feueranzünder aus, der aber auch nichts gegen die Unwilligkeit der Holzkohle ausrichten konnte. Aus den 20 Minuten wurden so 70, bevor wir endlich von einem Grillvorgang sprechen konnten. Da der Grillanzünder erheblich Ruß produziert hatte, kam noch eine Grillschale zum Einsatz. Die hindert natürlich die ohnehin schon geringe Wärmemenge daran, zum Grillgut zu gelangen. Trotz all dieser Hürden konnten unsere Mägen nach und nach dazu gebracht werden, den Gehirnen ein Sättigungsgefühl zu vermitteln. Fleisch und Würstchen haben vorzüglich geschmeckt. Letztere hatten wir kürzlich in einem neu eröffneten türkischen Supermarkt gekauft. Sie schmecken – im Wasserbad erhitzt – auch gut zu Linsen mit Spätzle.

Grillschale

Grillschale

Unverbrannte Holzkohle

Unverbrannte Holzkohle

Teilansicht der Verpackung

Teilansicht der Verpackung

Nach dem Grillen befanden sich in der Schale noch jede Menge unverbrannte Holzkohlestücken. Weiß der Geier, welches Rohholz im Holzkohlewerk Lüneburg verwendet wird. Aus solchem Holz stellt man am besten Sicherheitszündhölzer her – die brennen mit Sicherheit nicht. Oder hat der Hersteller einen Vertrag mit REWE, um die Verkaufsmengen von flüssigem Grillanzünder zu erhöhen? Dann sollte der aber gleich neben dem Einmal-Grill-Angebot präsentiert werden.

Fazit: Papier ist geduldig – es schreit nicht, wenn man Lügen darauf druckt. Wer sich für diesen Picknick-Grill entscheidet, sollte unbedingt eine Flasche Grillanzünder dazu kaufen und ein gut funktionierendes Feuerzeug mit langem Hals  dabei haben. Sonst wird das nichts mit dem gemütlichen Grillabend. Der Appetit muss noch nicht ausgereift sein, wenn man beginnt. Er kommt von allein, wenn sich das Grillgut endlich im Garungsstadium befindet.

Gut dass wir den Grill zu Hause ausprobiert haben – da holt man das nötige Zubehör einfach aus dem Keller. Unterwegs geht das nicht.

*) Es hat sich uns leider nicht erschlossen, warum der Picknick-Grill unter der Produktgruppe „Anzünder“ auf der Webseite des Herstellers zu finden ist.  🙁

Ab in die Provinz

Jeder Urlaub hat ein Ende. Auch bei Wikinger-Reisen. Immerhin sollte unser Flugzeug – wie beim Hinflug eine Boeing 753 der Condor Flugdienst GmbH – um 17.50 Uhr MESZ von TFS starten und um 23.10 Uhr in Stuttgart ankommen. Es bestand also Hoffnung, den letzten (bzw. den ersten am Montagmorgen) Zug nach Schorndorf um 0.08 Uhr zu errreichen.

Teide im Calima-Staub

Teide im Calima-Staub

Sahara-Staub über den Passatwolken?

Sahara-Staub über den Passatwolken?

Doch zuerst hatten wir mal viel Zeit zum Frühstücken und Koffer packen. Die Koffer wurden um 13 Uhr abgeholt und gegen 13.40 in den kleinen Transferbus verladen. Pünktlich 13.45 Uhr begann die gemütliche Fahrt quer über die Insel zum Südflughafen. Alles lief bestens und diesmal haben sich sogar die per Online-Checkin reservierten Plätze gelohnt. Es gab einen (trüben) Blick auf den Teide und später einen farbenfrohen Sonnenuntergang. Die Wolken hatten an der oberen Seite eine leicht gelb-bräunliche Färbung. Wir vermuten, dass es sich dabei um Saharastaub handelte.

Die Sonne ist müde

Die Sonne ist müde

Leider erfolgte der Start mehr als eine halbe Stunde zu spät. Ihr ahnt schon, warum. Ein ziemlich alter Schnarchkasper – an der Grenze zur Demenz – hatte es nicht nötig, pünktlich im Flugzeug zu erscheinen. In Stuttgart darauf angesprochen, versuchte er sich auf die unpünktlichen Verkehrsmittel auf Teneriffa herauszureden. Komisch, warum war bloß sein Koffer pünktlich im Laderaum? So sind wir erst gegen 23.45 Uhr gelandet, irgendwo im Niemandsland weit draußen, von wo der Bus gut zehn Minuten bis zum Flughafengebäude braucht. In zwei Wellen schwappten dann gaaaaanz langsam auch die Koffer aufs Band, unsere natürlich erst mit der zweiten Welle, Zug adé.

0.59 Uhr, Flughafen Stuttgart

0.59 Uhr, Flughafen Stuttgart

Tote Hose überall

Tote Hose überall

Was macht man in der Provinz, wenn der letzte Zug um 0.08 Uhr weg ist? Man schaut mal nach einem Taxi. Die kurze Berechnung des Fahrpreises bis nach Hause durch einen Mann vom Taxi-Fach (mindestens 130 Euro) lässt einen gern darauf verzichten. Alternative: Übernachten. Also ein ruhiges Eckchen suchen. Die Gastronomie schließt ihre Stühle natürlich an die Tische an. Da ist nichts mit gemütlich abnicken. Aber auf der vorletzten Etage gibt es einen Gang zum Konferenzzentrum. Dort stehen einige Dreiersitzgruppen, eine sogar in einem kleinen abgedunkelten Zwischengang. Frisch geputzte Toiletten befinden sich ganz in der Nähe, also auch Trinkwasser, so dass man immerhin nicht verdursten muss.

Nächtliches Digitalfoto'studio'

Nächtliches Digitalfoto’studio‘

Steffys Schlafecke

Steffys Schlafecke

Auf so einer Sitzgruppe haben wir erst mal die restlichen essbaren Dinge verputzt, Fotos aussortiert, bis der Akku leer war und Steffy hat sogar zwei Stunden richtig fest geschlafen. Punkt Vier die erste LAUTsprecher-Durchsage: „Lassen Sie keine Gepäckstücke unbeaufsichtig!“ oder etwas in der Art. Damit auch wirklich jeder sofort hellwach ist. Bei Steffy hat es allerdings nicht gewirkt, sie kam etwas später aus ihrer Boofe und sah sich die große Halle an. Die war dann schon richtig belebt und wir begaben uns zum Fahrkartenkauf in die DB-Bereiche. Im Flughafen liefen schon die Vorbereitungen zum Streik gegen Lufthansa. Die waren uns aber sowas von egal…

Falls Ihr sie noch nicht entdeckt habt: Es gibt eine zweite Fotogalerie zum Thema Teneriffa. Schaut und staunt, was man im Urlaub alles entdecken kann.

Höhen und Tiefen

Hochhaus im Passat-Nebel, der vom Calima bis auf das Meer herabgedrückt wurde.

Hochhaus im Passat-Nebel, der vom Calima bis auf das Meer hinab gedrückt wurde.

Erst heute, am letzten vollen Urlaubstag auf der Insel, kann hier wieder ein Bericht erscheinen. Wikinger-Reisen sorgt eben für gute Auslastung der Reiseteilnehmer. Seit Donnerstag begann sich eine spezielle Wetterlage durchzusetzen. Die heißt hier Calima und äußert sich in der Weise, dass sich heiße Luft aus Afrika, meist vermischt mit feinstem Sand, über die Insel ausbreitet. Die von den Passatwinden von Norden herangewehten Wolken werden dadurch verdrängt. Heute früh lag die Wolkendecke hier im Nordwesten ganz dicht über der Meeresoberfläche, während sie sich normalerweise wesentlich höher befindet.

Am Donnerstag stand erst einmal ein Museumsbesuch in Puerto de la Cruz auf dem Programm. Nach einem Spazier-Rennen kreuz und quer durch die Stadt – keiner hat kapiert, was das sollte – stellte sich heraus, dass es durch ein Unwetter in der vorangegangenen Nacht im Museum keinen Strom gab. Also Freizeit in der Stadt, spazierengucken und beobachten, wie im Hafen Meeresfrüchte ausgenommen werden. Dann ging es auf zum nächsten Programmpunkt. Der botanische Garten der Stadt – klein aber fein –  ist sehr sehenswert.

Schöne Blüten

Schöne Blüten im Jardín de aclimatación de La Orotava

Riesenfrucht des ostaustralischen Palmfarns

Riesenfrucht des ostaustralischen Palmfarns

Cristóbal, der die 75minütige Führung leitete, hätte sicher noch weitere drei Stunden lang in lustiger Art sein Wissen vermitteln können. Anschließend folgte eine Wanderung parallel zur Küste und Einkehr in einem Panorama-Café.

Einer der berühmten Felsen beim Nationalpark-Besucherzentrum

Einer der berühmten Felsen beim Nationalpark-Besucherzentrum

Rot blühender Natternkopf. Rechts von dessen Spitze ist der Gipfel des Teide zu erkennen.

Rot blühender Natternkopf. Rechts von dessen Spitze ist der Gipfel des Teide zu erkennen.

Gestern fuhren wir mit dem Bus in den Nationalpark am Teide. Am Besucherzentrum ist natürlich der totale Touristenrummel. Fünf Minuten weit hinter den bekannten Felsen hat man schon seine Ruhe, braucht jedoch auch gaaaanz anderes Schuhwerk als die Massen. Auf dem Rückweg gab es dann ein leckeres Picknick mit zahlreichen Insel-Spezialitäten – Rotwein, verschiedene Käsesorten, Oliven, Kapernäpfel oder Wurst. Besonders gegen Ende des Picknicks wurde es sehr lustig.

Picknick (Frauenquote ist erfüllt)

Picknick (Frauenquote ist erfüllt)

Etwas bergabwärts fand sich noch ein Aussichts-Café, wo wir ebenfalls kurz pausierten. Die Sicht war allerdings durch den Calima schon sehr trübe. Wo man sonst zwei Inseln im Meer sieht, war nur Dunst – oder Staub, oder auch beides.

Lavatunnel, 200 Meter davon sind für Besucher zugänglich.

Lavatunnel, 200 Meter davon sind für Besucher zugänglich.

Für heute hatten sich 15 Personen zur Teilnahme an einer Höhlenführung angemeldet. Die beiden Groß-Taxis waren pünktlich am Hotel und um 11 Uhr begann die Führung in der Cueva del Viento (Höhle des Windes). Bei dieser Höhle handelt es sich um ein System von Lava-Tunnelröhren. 200 Meter davon sind derzeit für den Besucherverkehr geöffnet. Wesentlich größere Abschnitte wurden und werden erforscht. Es fehlt nur noch wenig, bis die Lavaröhren die viertlängsten der Welt sind. Die längsten befinden sich auf Hawaii und sind über 120 Kilometer lang.

Man darf in die Cueva del Viento nur im Rahmen von Führungen hinein. Deren Anzahl pro Tag ist stark beschränkt, wobei jeweils höchstens 16 Personen teilnehmen dürfen. Rechtzeitige Anmeldung ist also die erste Regel. Festes Schuhwerk ist absolute Pflicht. Flipflop-Träger/innen werden nicht zugelassen, Rucksäcke bleiben in einem Schließfach. Fotografieren ist erlaubt, auch mit Blitz. Dragan, unser sehr gut deutsch sprechender Höhlenführer, machte sich gegen Ende der zwei Stunden berechtigte Sorgen, dass er die Gruppe wieder ans Tageslicht locken kann. Nach den angenehmen 14 °C in der Höhle sind 36 °C im Schatten ein richtiger Schock. Unsere Meinung zu dieser Höhlenführung: Absolut empfehlenswert.

Die Eintrittsgelder (16 Euro pro erwachsene Person) werden vor allem in den Kauf von Grundstücksflächen über dem Höhlensystem investiert. Damit soll verhindert werden, dass Pflanzenschutzmittel oder andere Chemikalien durch die dünnen Tunneldecken (ca. 1,5 m) in das Innere gelangen. Wer Biolandwirtschaft betreiben will, bekommt die Flächen dafür gratis zur Verfügung gestellt und braucht keine Steuern auf die Erträge zu zahlen.

Alter Kalkbrennofen in Los Silos

Alter Kalkbrennofen in Los Silos

Lecker vegetarisch essen

Lecker vegetarisch essen

Den Nachmittag verbrachten wir im Hotel. Steffy nutzte den Swimmingpool und ich habe mich der Pflege dieser Seiten gewidmet. Ein Spaziergang in Richtung Strandbad rundete den Tag vor dem Abendessen ab.

Aufwärts immer – abwärts nimmer

Auf zur Masca-Schlucht per Boot

Auf zur Masca-Schlucht per Boot

Und schon geht es los.

Und schon geht es los.

Heute hieß es früher aufstehen. Ein Bus brachte einen Teil der Wikinger und einige andere Hotelgäste nach Los Gigantes an der Südwestseite von Teneriffa. Im Hafen lag ein Boot bereit, um uns an das untere Ende der Masca-Schlucht zu bringen – vorbei an den gigantischen Felsklippen, von denen der Ort seinen Namen hat. Auf dem Boot arbeiten drei Leute. Die Anlegestelle an der Schlucht ist zum richtigen Anlegen nicht geeignet. Deshalb muss der Steuermann das Boot mit dem Bug möglichst genau vor der Betontreppe halten, während ein Passagier nach dem anderen aussteigt. Die beiden Kollegen des Steuermanns leisten dabei Hilfe, damit niemand zwischen Bug und Beton ins Wasser fällt. Sind alle Wanderer an Land, dreht das Boot ab, um die nächsten Passagiere im Hafen abzuholen.

Ein bisschen Klettern gehört dazu.

Ein bisschen Klettern gehört dazu. Nein, da geht es nicht so tief runter, wie es aussieht.

Blick in die Schlucht

Blick in die Schlucht

Die Masca-Schlucht ist neben dem Teide wahrscheinlich die interessanteste Sehenswürdigkeit auf der Insel. Manche Veranstalter lassen ihre Gäste von oben nach unten wandern. Wer sich darauf einlässt, geht irrtümlich davon aus, dass er Eigengewicht und Gepäck nicht nach oben schleppen muss. Dass man es bergab aber bei jedem Schritt abfangen muss, haben sich wohl die wenigsten überlegt.

Da wir bergauf wanderten, war das erste Drittel der Schlucht ziemlich ruhig. Später hört man immer wieder die Geräusche der Abwärtswanderer. Da sie keinesfalls schneller voran kommen als bergauf und sich ständig bei jedem Schritt konzentrieren müssen, ist das eher eine Qual. Und was für Sünden man sonst noch sieht, na ja. Sandalen sind noch das Harmloseste. Uns wurde empfohlen, keine Wanderstöcke mitzunehmen. Sie sind trotzdem hilfreich, vor allem im obersten Drittel der Schlucht, wo der Weg sehr steil wird. Dort, wo man sich an Felsen oder an Seilen festhalten muss, kann man die Stöcke am Rucksack befestigen. Dann hat man die Hände auch frei.

Manche Leute sollten besser mit Schutzhelm wandern. Einem älteren Mann (Abwärtswanderer) lief Blut über die linke Gesichtshälfte, weil er die verringerte Durchlaufhöhe unter einem scharfkantigen Felsen nicht beachtet hatte. Das musste er nun ertragen, denn die große Gruppe konnte seinetwegen nicht umkehren.

Blick über die Schlucht

Blick über die Schlucht. Mittendrin die kleine Gaststätte, da ist man aber schon oben.

Wir sind alle gut oben angekommen. Die kleine Gaststätte in Masca (Bar Blanky -Casa Fidel-) wurde allen Ansprüchen gerecht. Der Bus, der inzwischen oben war, brachte uns dann ins Hotel zurück. Hier gab es wieder leckeres Abendessen. Vorher war Steffy eine Runde schwimmen und ich habe Bilder hochgeladen und diese Zeilen geschrieben.